"Gereimte Predigt" zum Faschingssonntag (Estomihi), 11. Februar 2018

Predigt über Amos 5,  21- 24

Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen - es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar -, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Liebe Gemeinde,
Die Menschen, die einst angetreten,
weil alle zu den Falschen beten,
die lieber laut als leise treten
und bringen Wahrheit auf Tapeten,
die Unkraut aus den Beeten jäten,
und Unheil anziehn wie Magneten,
ins immer andre Horn trompeten
und meistens kommen ungebeten,
nichts geben auf Formalitäten,
und stören nur Festivitäten,
ihr Rat ist unerwünscht in Räten,
beargwöhnt von Kapazitäten
die, deren Blicke können töten,
die fünf vor zwölf trotzdem zu späten,
die wissen um Intimitäten
und hemmungslos sind ohn Erröten,
die meckern meist im ganz Konkreten,
das Unrecht allerorts erspähten,
die angefeindet und unsteten
des hehren Zeitgeist´s Interpreten
ja, Gottes große Wortathleten
sind halt inzwischen Raritäten:
Die Menschen, die man nennt: Propheten.

Es sind besondre Gottesmänner
Ihr Dasein hat nur einen Grund,
sie sind sehr gute Menschenkenner,
und reden Gott nur nach dem Mund.

Wenn alle sind mit sich zufrieden,
dann treten die Propheten auf,
dass Gut von Böse wird geschieden,
verhindern so des Unheils Lauf.

Aus der Vergangenheit sie lernen
und nehmen an der Zukunft Teil.
Die Gegenwart ist zu entfernen:
Im Widerspruch - da liegt das Heil!

Erheben deutlich ihre Stimmen,
wo alles „Ja und Amen“ schreit.
Um gegen jeden Strom zu schwimmen,
sind sie mit ihrem „Nein!“ bereit.

Und gegen alle, die das Sagen haben
da sagen sie ihr Gotteswort,
das Er tief in sie eingegraben.
So sind sie Seiner Botschaft Hort.

Als Widersprecher sind sie wichtig
das tun sie prinzipiell so, weil
der Widerspruch ist meisten richtig,
dem Teil fehlt manchmal Gegen-Teil.

Wenn alles „Heil“ ruft, halten sie dagegen
und rufen Gottes „Unheil“ aus.
Doch muss Unheil den Mensch bewegen,
dann steht für sie das „Heil“ ins Haus.

Den Lebens-Sinn für sich gefunden
hat Mensch, der sich berufen weiß,
zu legen Finger in die Wunden
zu mosern über jeden - Mist,

den immer wieder Zeitgenossen
anstellen, brechen sie entzwei
den Bund, den Gott einst hat geschlossen,
und denken, das sei einerlei.

Es ist ihr Wort von Gottes Treue,
das Menschen zur Besinnung ruft,
weil Gott sie immer noch auf´s Neue
als liebenswert hat eingestuft.

Propheten sollten wiederkommen,
dann wir doch alles wieder gut!“
So hoffen wohl nicht nur die Frommen:
Ein Gottesmann aus Fleisch und Blut,

der würd´ das Chaos hier aufräumen
mit heilgem Zorn und frommer Wut.
So einen würden wir uns träumen
mit Glaubenshoffnung, Liebesglut.

Der würde alles wieder richten
und stellte es ins rechte Lot,
der würde Ungesehnes sichten
sein Wort wär unser täglich Brot.“

Doch eines tut den Traum erschweren,
drum halten wir doch lieber still:
Auch wir bekämen was zu hören,
was keiner von uns hören will.

Denn auch die eigentlich so Frommen,
die Gottes nicht nur Menschen Freund,
haben ihr Fett wohl abbekommen,
war´n von Propheten mitgemeint.

So hören wir auch heute Morgen
aus unsrem Alten Testament,
wie Gott sich machte große Sorgen,
weil´s Gottesvolk war renitent.

Aus der Provinz, da kam er, sein Gesandter,
da kam dereinst der Gottesmann:
Amos, im Norden noch ein Unbekannter,
der aus dem Süden dort kam an,

um wirklich nicht gut anzukommen,
in Beth-El rund ums Heiligtum,
hat sich den Kult zur Brust genommen,
der einst gedacht zu Gottes Ruhm.

Auch wenn sie ihn dort erst verlachen,
hat es sich bald schon ausgegrinst,
denn Amos lässt es richtig krachen:
bekrittelt er den Gottesdienst.

Gott“, lässt er alle Menschen wissen,
der mag den Kult um ihn hier nicht.“
der findet sprichwörtlich beschissen,
wie man in Bethel mit ihm spricht

ihn dorten preiset, lobt und feiert,
ihm Psalmen, fromme Lieder singt,
wie man das Heilge runterleiert
und routiniert sein Opfer bringt.

Wie formvollendet sie rumkriechen
auf ihren Knien im Gebet.
Gott kann solch Gottesdienst nicht riechen,
weil auch beim Knien dort man steht.

Verlogen will es ihm erscheinen
wenn´s Außen Innen nicht entspricht,
denn so ein Gottesdienst hilft keinen,
so einen Dienst, den will Gott nicht.

Und deshalb muss sich Gott beschweren,
und Amos Gottes Wort tut kund:
Solch Gottesdienst will Gott nicht hören,
zu so was sagt er: „Halt den Mund!“

Des Amos Hände nur abwinken,
wenn frommer Schauder geht durchs Land,
so was tut Gott gar mächtig stinken:
Verlogenheit ist allerhand!

O Mann, ich muss es Ihnen sagen,
und sag ich es auch im Gedicht,
so über Gottesdienste klagen,
so etwas, das passt mir nicht.

Das ist nur auf die Mühlen Wasser
von denen, die stets ferne stehn,
der Kritiker und Frommenhasser,
die immer nur das Schlechte sehn.

Die immer ham was auszusetzen
und ziehen alles in den Schmutz,
die schlecht und schlechter immer schwätzen,
und hauen mächtig auf den Putz.

Die passen wunderbar zu Phänomenen,
die hierzulande grade schick
bei denen, die sich gern für Fremde schämen,
Hauptsache nur, man hört Kritik.

Die hören gern ganz unverhohlen,
wenn wieder mal beim RTL
ordentlich austeilt Dieter Bohlen,
Talente abfertigt ganz schnell.

Die Menschenmassen lauthals johlen
Wenn die, die erst zu Superstars gemacht,
der Lächerlichkeit werd´n empfohlen,
die Schadenfreude sich auslacht.

Nicht nur akustisch kann man werten,
auch was zu essen, hat Geschmäck,
was Sterneköche ihm verehrten
des Krit´kers Zunge gibt Feedback.

Wo sich die einen Lippen lecken,
ein andrer bricht ganz schnell den Stab,
weil es angeblich nicht tat schmecken
und kanzelt Koch genussvoll ab.

Und auch bei Kirchens wird gern kolportiert,
die Bänke würden immer leerer,
nur Nichtigkeiten würden kultiviert,
im Gotteshaus wacht kein Verehrer,

nur Langeweile, Biederkeit,
grassiere unter frommen Schafen,
der Hirte - weit vom Puls der Zeit -
böt jeden Grund um einzuschlafen.

Fernab von jeder Relevanz
in alten Mauern träfen sich die Leute,
Die Liturgie als Eiertanz,
das Gestern als des Pfarrers Heute.

Wenn ausgeschenkt die Schirlingskelche,
so denke jeder immer dran,
die Kritiker der Elche sind selber welche“.
Verurteile, wer´s besser kann!

Trifft´s mich schon hart, wenn Menschen klagen:
Lesung zu leis, Predigt zu kurz!“
So ist es kaum noch zu ertragen,
wenn Gott der Gottesdienst ist schnurz.

Doch Amos will Gedanken lenken,
nicht fruchtlos bleibe die Kritik:
Wir soll'n hinaus über uns denken,
und andre nehmen in den Blick.

Nicht Opfer, Bräuche, Lieder, Riten,
nicht funktionale Heiligkeit
der Gottesdienst soll uns anbieten.
Was Gott will, ist Gerechtigkeit.

Denn die Gerechtigkeit soll fließen.
Wo Gott ist unser A und O,
soll Recht sich wie ein Quell ergießen,
wie in ´nem Bach das H²O.

Was nutzt ein formvollendet Dienen
an Gott, wenn's Menschen geht sehr schlecht?
Was nützen fromme Disziplinen,
wenn Mensch dem Mensch wird nicht gerecht?

Gott hat ne Message für die Messe,
und die ist wirklich nicht bequem:
Wer nur auf mich schaut, halt die Fresse,
der Dienst am Mensch ist mir genehm!“

Sie spüren, wie das Blatt sich wendet?
Was Amos sagt kein Hirngespinst
ist, Gott den Gottesdienst vollendet:
aus Gottes- wird der Menschen-Dienst.

Bei Bonhoeffer tat´s früher auch so klingen,
als er einst sagte grad heraus:
Nur wer für Juden schreit, darf gregorianisch singen“,
sonst treibt er Gott aus seinem Haus.

Wer´s Rechte tut, der kann auch beten
zu Gott, der sich auf´s Recht versteht,
vor Gott kann er in Demut treten,
so wird sein Handeln zum Gebet.

Amos betont auf´s allereiligste,
sein Wort schmerzt manche Priester, denn
für Gott das Allerheiligste
sind keine Räume sondern Men-

schen, die in seinem Blicke stehen.
Denn Weihrauch, Früchte oder Vieh
als Opfer werden übersehen,
auf Menschen schaut er, nicht auf die.

Und deshalb schau, wer will zum Himmel blicken,
zuerst nach rechts und dann nach links,
denn dorthin will ihn der da oben schicken,
das darfst du glauben, allerdings!

Drum ist ein rechter Gottesdienst zu sehen
als Weg, der Mensch zum Menschen führt.
Der Weg, den Gott dann eines Tags tat gehen,
als er in Jesus uns anrührt.

Dass Gott wurd einst zu unsresgleichen,
als er in Bethlehem kam an,
Das heißt für uns doch: Hände reichen,
und bleiben aneinander dran.

Drum ist der Sonntag ohne Frage
nur dann ein ganz besondrer Tag,
wenn er uns zeigt am andren Tage
den göttlich-himmlischen Auftrag.

Der Himmel will auf Erden wohnen
und Gottesdienst im Alltag sein,
die frohe Botschaft soll sich lohnen
wenn Fromme sich zum Dienste weihn

an allen, den sie dienen können,
durch Wort und Tat und Mund und Hand.
Wer Gnade anderen kann gönnen,
der trägt sie auch ins weite Land.

Der wird von Recht und Liebe künden
und handeln recht und liebevoll,
der wird sich an den Nächsten binden,
weil er ihn richtig lieben soll.

Der wird sich nicht im eignen Glanze sonnen,
denn damit kommt er nicht so weit,
beibt lediglich in sich versponnen.
Doch Sonne der Gerechtigkeit,

die sieht er über sich aufgehen,
wo er den Mensch im Lichte Gottes sieht
und über alles Gottes Geist lässt wehen:
Nur so ein wahrer Gottesdienst geschieht.

Dann können wir auf allen Wegen,
als Menschen, die mit Gott im Team,
empfangen dankbar seinen Segen
Gott ist in uns - und wir in ihm.

So wollen wir das Rechte lassen fließen
und nicht in der Gerechtigkeit erlahmen,
die Nächsten werden uns´ren Gottesdienst genießen
und Gott genießt desgleichen. Amen.

Und Gottes Friede höher sei,
als all unsre Vernunft,
der gib den Segen uns dabei
für Gegenwart, Zukunft.

 

Pfr. Uwe Handschuch